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Alt-Texte: kleine Texte, große Wirkung

Was ein guter Bildbeschreibungstext leistet, wie man ihn schreibt und wo KI dabei sinnvoll hilft, ohne das Urteil zu ersetzen.

Alt-Texte: kleine Texte, große Wirkung

Alternativtexte für Bilder gehören zu den unscheinbarsten Elementen einer Website und zu den wirkungsvollsten. Wer sie weglässt, schließt einen Teil der Nutzer aus. Wer sie sorgfältig schreibt, macht Inhalte für mehr Menschen zugänglich, und nebenbei auch für Suchmaschinen und Sprachassistenten.

Was ein Alt-Text ist

Der Alternativtext, technisch korrekt das alt-Attribut, beschreibt ein Bild in Worten. Er wird sichtbar, wenn ein Bild nicht lädt, und er wird vorgelesen, wenn ein Screenreader die Seite für blinde oder sehbehinderte Nutzer wiedergibt. Sein Zweck ist nicht Dekoration, sondern Information. Der oft gehörte Begriff „Alt-Tag" ist dabei streng genommen falsch, denn es handelt sich um ein Attribut, nicht um ein eigenes Tag. Gemeint ist aber dasselbe.

Damit ist der Alt-Text ein konkretes Stück Barrierefreiheit. Seit das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz für viele digitale Angebote gilt, ist er nicht mehr nur gute Praxis, sondern Teil dessen, was rechtlich erwartet wird. Vor allem aber ist er das, was eine Seite für alle nutzbar macht, statt nur für die, die gut sehen.

Wie man gute Alt-Texte schreibt

Beschreiben, nicht dichten. „Ein Mann mit Hut auf einem Berg" hilft mehr als „eine epische Reise ins Licht". Der Alt-Text soll sagen, was zu sehen ist, nicht eine Stimmung beschwören.

Relevanz prüfen. Hat das Bild eine inhaltliche Funktion, wird es beschrieben. Ist es rein dekorativ, bleibt das Attribut leer (alt=""). So überspringt der Screenreader das Bild, statt Belangloses vorzulesen.

Kurz und klar. Meist genügen rund 125 Zeichen. Kein Roman, aber auch kein kryptisches Stichwort.

Kontext mitdenken. Was steht ohnehin schon im umgebenden Text, und was ergänzt das Bild? Der Alt-Text füllt die Lücke, er wiederholt nicht.

Ein Beispiel: Zeigt das Bild eine grüne Parkbank unter einem blühenden Kirschbaum, dann beschreibt der Alt-Text genau das, schlicht und vollständig.

Der Unterschied zum title-Attribut

Das title-Attribut wird oft mit dem Alt-Text verwechselt, leistet aber etwas anderes. Es erscheint meist als kleiner Tooltip, wenn man mit der Maus über ein Bild fährt, und es wird von Screenreadern häufig ignoriert. Sein Nutzen liegt also eher bei sehenden Nutzern, als kleine Ergänzung oder Kontexthinweis. Es ersetzt den Alt-Text nicht. Und auch hier gilt: kein Platz für Werbung oder aneinandergereihte Schlüsselwörter.

Wo KI sinnvoll hilft

Bei einzelnen Bildern ist ein Alt-Text schnell geschrieben. Bei hunderten wird es mühsam, repetitiv und fehleranfällig, und genau dann bleiben Alt-Texte in der Praxis oft ganz weg. Hier kann KI sinnvoll unterstützen, indem sie aus dem sichtbaren Bildinhalt und dem Begleittext einen ersten Entwurf vorschlägt, der nur noch geprüft und justiert werden muss. Für Redaktionen, Museen, Archive oder Onlineshops mit großen Bildbeständen ist das ein realer Gewinn.

Für TYPO3 gibt es dafür inzwischen spezialisierte Erweiterungen. Eine davon haben wir selbst entwickelt: Sie schlägt beim Hochladen eines Bildes automatisch einen Alt-Text vor, den die Redaktion anschließend anpassen kann. Das ist für uns ein gutes Beispiel dafür, wie KI gehört: nicht als Ersatz für das redaktionelle Urteil, sondern als Entwurfshilfe, die stupide Arbeit abnimmt und die Entscheidung beim Menschen lässt. Wichtig bleibt die Kontrolle, denn eine Maschine beschreibt, was sie sieht, nicht immer das, worauf es im Kontext ankommt.

Eine kleine Geste mit Wirkung

Einen Alt-Text zu schreiben dauert einen Moment und entscheidet doch darüber, ob ein Mensch mit Screenreader ein Bild versteht oder daran vorbeigeht. Die Web-Zugänglichkeitsexpertin Anne Gibson hat einmal sinngemäß gesagt, Barrierefreiheit sei kein Feature, sondern eine gesellschaftliche Frage. Genau das macht den Alt-Text aus: eine kleine technische Gewohnheit, hinter der eine größere Haltung steht. Und eine, die man sich besser früh angewöhnt als spät.