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von Jens Köster

Grounding Page 2026: Warum eine zentrale Faktenseite allein nicht reicht

Eine Grounding Page kann Unternehmensfakten eindeutig verfügbar machen. Ob KI-Systeme sie finden, verwenden und bestätigen, entscheidet sich jedoch an mehreren Stellen.

Ein geöffnetes Fakten-Dossier wird von einem Papiergewicht gehalten, während lose Quellenblätter darum verteilt sind.

„Wir brauchen jetzt noch eine Grounding Page.“

Das klingt erfreulich überschaubar. Eine zusätzliche Seite, ein wenig Schema.org, ein paar Unternehmensdaten – und schon wissen ChatGPT, Gemini und Perplexity, wer man ist. So zumindest die Kurzfassung, die sich seit Ende 2025 durch manche SEO-Präsentation bewegt.

Ganz falsch ist die Idee nicht. Es gibt zwar inzwischen einen als offenen „Grounding Page Standard“ veröffentlichten Ansatz. Ein technischer Standard im Sinne einer von Google, OpenAI, Anthropic oder einem Standardisierungsgremium unterstützten Spezifikation ist er jedoch nicht. Im Kern handelt es sich um ein redaktionelles und strukturelles Konzept für eine eindeutige Entitätsbeschreibung. 

Google, OpenAI oder Anthropic verlangen keine „Grounding Page“. Gemeint ist im Kern ein redaktionelles Konzept: eine eindeutige, gut zugängliche Referenzseite für eine Entität. 
Eine zentrale, faktenbasierte Profilseite kann KI-Systemen helfen, ein Unternehmen eindeutig einzuordnen. Sie kann Widersprüche reduzieren, offizielle Angaben bündeln und eine verlässliche Adresse für Detailfragen schaffen.

Was sie nicht kann: eine Erwähnung in einer KI-Antwort erzwingen.

Eine Grounding Page ist keine Sichtbarkeitsmaschine. Sie ist eine Quelle. Ob ein System diese Quelle überhaupt abruft, wie es sie gewichtet und welche weiteren Informationen es danebenstellt, entscheidet sich an anderer Stelle.

Was eine Grounding Page eigentlich ist

Eine Grounding Page beschreibt eine klar abgegrenzte Entität: ein Unternehmen, eine Marke, ein Produkt, eine Organisation oder eine Person. Anders als eine klassische Landingpage soll sie nicht in erster Linie überzeugen. Sie soll eindeutig informieren.

Für ein Unternehmen gehören dazu beispielsweise der vollständige Rechtsname, Gründungsjahr, Sitz, Geschäftsführung, Leistungen, Zertifizierungen und überprüfbare Kennzahlen. Bei mehrdeutigen Namen kann zusätzlich erklärt werden, was das Unternehmen ist – und was nicht.

Im besten Fall ist diese Seite keine technische Sonderwelt unter /grounding, sondern eine gut erreichbare Profil- oder Über-uns-Seite. Sie funktioniert für Menschen, Suchmaschinen und andere Systeme gleichermaßen. Der sichtbare Inhalt und die strukturierten Daten sagen dasselbe.

Dabei gilt eine einfache Regel: eine Entität, eine kanonische Faktenseite. Mehrere konkurrierende Unternehmensprofile mit unterschiedlichen Zahlen helfen weder der Redaktion noch einer KI. Sie produzieren vor allem eine technisch aufgeräumte Form der Verwirrung.

Die frühe GEO-Forschung greift heute nicht mehr.

Wenn heute über Generative Engine Optimization gesprochen wird, landet man schnell bei der Princeton-Studie „GEO: Generative Engine Optimization“. Das Paper wurde im November 2023 erstmals eingereicht und 2024 auf der KDD veröffentlicht. Die Forschenden bauten unter anderem einen eigenen Benchmark mit 10.000 Anfragen und untersuchten, wie Formulierungen, Quellen und Statistiken die Sichtbarkeit in generierten Antworten beeinflussen.

Das war ein wichtiger früher Nachweis: Die Form eines Inhalts beeinflusst, wie gut ein generatives System ihn übernehmen kann.

Die häufig zitierten prozentualen Verbesserungen sollte heute trotzdem niemand als Leistungsversprechen verkaufen. Im Hauptversuch wurden pro Anfrage fünf Google-Ergebnisse abgerufen und anschließend mit GPT-3.5 Turbo verarbeitet. Ein zusätzlicher Perplexity-Test umfasste lediglich 200 Samples und arbeitete mit vorgegebenen Quelldateien. Das war für 2023/2024 ein sinnvoller Versuchsaufbau, bildet heutige Such- und Antwortsysteme aber nur eingeschränkt ab.

Die Studie erklärt die Anfänge der Entwicklung. Sie ist kein aktuelles Handbuch für ChatGPT Search, AI Overviews oder AI Mode.

KI-Systeme lesen nicht einfach eine Seite

Google beschreibt für AI Overviews und AI Mode ausdrücklich ein Verfahren namens „Query Fan-out“. Dabei kann eine Anfrage in mehrere verwandte Suchen zu Unterthemen und unterschiedlichen Datenquellen aufgefächert werden. Die Antwort kann dadurch aus einem deutlich größeren Recherchefeld entstehen – nicht nur aus den Treffern der ursprünglichen Anfrage und schon gar nicht automatisch aus einer einzelnen Grounding Page.

Für die praktische Arbeit hilft ein Modell mit drei Ebenen.

1. Erreichbarkeit

Zuerst muss eine Seite technisch erreichbar und indexierbar sein. Bei Google muss sie im Suchindex liegen und grundsätzlich für ein Such-Snippet infrage kommen. Spezielle „AI-Markups“ oder zusätzliche Textdateien sind laut Google dafür nicht nötig.

Andere Anbieter verwenden eigene Crawler und Indizes. Deshalb sollten Betreiber klären, ob ein Zugriff der Suche, dem Modelltraining oder einem direkten Nutzerauftrag dient. So dient beispielsweise OpenAIs OAI-SearchBot der Auffindbarkeit für ChatGPT Search, während GPTBot separat für potenzielles Modelltraining gesteuert werden kann.

Erreichbarkeit ist allerdings keine Ja-nein-Entscheidung. KI-Crawler können in kurzer Zeit erhebliche Serverlast erzeugen und damit die Nutzung für echte Besuchende beeinträchtigen. Betreiber müssen deshalb zwischen Sichtbarkeit und stabilem Betrieb abwägen. Ziel ist nicht, allen Bots alles zu erlauben, sondern relevante Suchcrawler kontrolliert zuzulassen. Crawler-Zugriff braucht eine Strategie, keinen Blankoscheck.

2. Bestätigung

Unternehmensangaben stehen selten nur auf der eigenen Website. Sie erscheinen in Registern, Zertifizierungsverzeichnissen, Branchenportalen, Presseartikeln, Profilen und Bewertungen. Stimmen diese Angaben überein, entsteht ein konsistentes Bild. Widersprechen sie sich, muss das System entscheiden, welcher Quelle es vertraut.

Wie die einzelnen KI-Anbieter solche Quellen im Detail gewichten, veröffentlichen sie nicht. Eine Grounding Page erhält also keinen eingebauten Vertrauensbonus, nur weil sie sich so nennt. Externe Quellen bleiben wichtig, weil sie Aussagen bestätigen, einordnen oder auch widerlegen können.

3. Offizielle Details

Hier liegt die Stärke einer Grounding Page. Wenn eine KI nach dem exakten Rechtsnamen, einer Leistung, einer verantwortlichen Person oder einer Zertifizierung sucht, bietet eine zentrale Faktenseite eine eindeutige Primärquelle.

Kurz gesagt: Externe Quellen schaffen Kontext und Bestätigung. Die eigene Website liefert die offiziellen Details.

Eine Waage bringt unabhängige Quellen und ein offizielles Fakten-Dossier ins Gleichgewicht.
Illustration 1 – Offizielle Fakten und externe Bestätigung

Was aktuelle Zahlen tatsächlich zeigen

Die Datenlage zu Grounding Pages selbst ist dünn. Es gibt bislang keine unabhängige, peer-reviewte Untersuchung, die den Erfolg dieses konkreten Seitenformats nachweist. Belastbar untersuchen lassen sich eher einzelne Bausteine: Indexierung, Zitierungen, Suchüberschneidungen und der tatsächliche Abruf technischer Dateien.

Eine Ahrefs-Analyse vom März 2026 untersuchte rund vier Millionen URLs aus Google AI Overviews. Nur 37,1 Prozent der zitierten URLs rangierten für dieselbe Ausgangsanfrage unter den ersten zehn klassischen organischen Ergebnissen. Das bedeutet nicht, dass klassische Rankings unwichtig geworden sind. Es zeigt aber, dass eine AI-Overview-Antwort ein deutlich größeres Quellenfeld verwendet als die erste Ergebnisseite.

Ein direkter Vergleich mit älteren Ahrefs-Zahlen ist nur eingeschränkt möglich. Die Auswertungsmethode wurde verändert und erfasst inzwischen mehr, auch weniger prominente Zitate. Gerade das ist eine hilfreiche Erinnerung: Selbst aktuelle Studien messen bewegliche Systeme mit beweglichen Methoden.

Deutlicher ist die Lage bei llms.txt. Ahrefs analysierte im Mai 2026 mehr als 137.000 Domains. Rund 38.000 davon lieferten eine gültige Datei aus. 97 Prozent dieser Dateien erhielten im Untersuchungsmonat keinen einzigen Abruf. Von den wenigen Requests kamen 96 Prozent von Bots; Live-Retrieval-Bots von KI-Suchsystemen spielten nur eine sehr kleine Rolle.

Das macht llms.txt nicht automatisch nutzlos. Für Dokumentationen und bestimmte Agenten kann die Datei praktisch sein. Als Hebel für öffentliche KI-Sichtbarkeit ist ihre Wirkung bisher aber nicht belegt.

Google formuliert es noch nüchterner: Für die generativen Funktionen der Google-Suche werden keine neuen maschinenlesbaren Dateien, kein spezielles Markdown und kein besonderes AI-Markup benötigt. Die grundlegenden SEO-Anforderungen gelten weiter.

Was auf eine gute Grounding Page gehört

Eine überzeugende Grounding Page beginnt nicht mit Technik, sondern mit einer redaktionellen Entscheidung: Welche Angaben sind offiziell, überprüft und langfristig pflegbar?

Die wichtigsten Bestandteile sind:

  • eine eindeutige Definition des Unternehmens im ersten Absatz
  • Rechtsname, Marke, Gründungsjahr, Sitz und verantwortliche Personen
  • konkrete Leistungsfelder und Zielgruppen statt allgemeiner Werbeversprechen
  • eine Abgrenzung bei mehrdeutigen Namen oder leicht verwechselbaren Angeboten
  • belastbare Zahlen mit Stand oder Bezugszeitraum
  • Links zu Primärquellen wie Registereinträgen und Zertifizierungsverzeichnissen
  • konsistente Angaben auf der eigenen Website und relevanten externen Profilen
  • passende strukturierte Daten wie Organization und AboutPage mit stabiler @id
  • ein klarer redaktioneller Prozess für Aktualisierung und Freigabe

Schema.org kann die Zuordnung von Entitäten unterstützen. Es ist aber kein zweiter, unsichtbarer Inhalt. Was im JSON-LD steht, sollte auch für Menschen auf der Seite nachvollziehbar sein. Eine Mitgliedschaft wird durch memberOf nicht richtiger. Eine Mitarbeiterzahl wird durch numberOfEmployees nicht aktueller.

Was nicht funktioniert

Problematisch wird es, wenn eine Grounding Page als Maschinenfutter behandelt wird: kaum verlinkt, mit versteckten Aussagen versehen und parallel zu einem ganz anders formulierten Über-uns-Bereich betrieben.

Auch mehrere Seiten für dieselbe Entität helfen nicht. Wenn Profil, Impressum, Pressebereich und LinkedIn verschiedene Namen, Größenordnungen oder Gründungsjahre nennen, entscheidet nicht die schickste JSON-LD-Auszeichnung über die Wahrheit.

Ähnlich wenig bringt eine Seite voller Eigenlob. Aussagen wie „führender Innovationspartner“ oder „marktprägende Kompetenz“ sind weder gut überprüfbar noch besonders informationsreich. Sie bleiben Marketingclaims – auch wenn sie in einer Tabelle stehen.

Und schließlich ersetzt eine Grounding Page keine Arbeit außerhalb der eigenen Domain. Sie erzeugt keine Presseberichte, keine unabhängigen Empfehlungen und keine fachliche Reputation. Wer möchte, dass andere Quellen ein Unternehmen bestätigen, muss etwas veröffentlichen oder leisten, das andere tatsächlich erwähnenswert finden.

Wie Unternehmen praktisch vorgehen können

Der erste Schritt ist kein neuer Seitentyp, sondern eine Bestandsaufnahme. Welche Unternehmensangaben stehen auf der Website, im Impressum, in sozialen Profilen, Branchenverzeichnissen und Zertifizierungsdatenbanken? Wo gibt es Abweichungen?

Danach folgt die Verifikation. Rechtsname, Registerdaten, Zertifizierungen, Verantwortliche und Kennzahlen brauchen eine nachvollziehbare Quelle und möglichst eine intern zuständige Person. Veraltete oder nur ungefähr erinnerte Angaben haben auf einer Faktenseite nichts verloren.

Erst dann wird die kanonische Profilseite aufgebaut. Die wichtigsten Aussagen stehen am Anfang, Detailinformationen folgen in klar getrennten Abschnitten. Strukturierte Daten spiegeln den sichtbaren Inhalt. Andere Seiten verweisen auf diese zentrale Quelle, statt eigene Varianten derselben Fakten zu pflegen.

Zum Schluss werden externe Profile angeglichen und die Wirkung beobachtet. Sinnvoll ist ein festes Set typischer Marken- und Leistungsfragen, das regelmäßig in unterschiedlichen Systemen geprüft wird. Dabei zählen nicht nur Links, sondern auch korrekte Namen, Beschreibungen, Auslassungen und Verwechslungen.

Grounding ist in diesem Sinn kein einmaliges SEO-Projekt. Es ist Entity Management mit redaktioneller Wartung.

Zwei Dokumente werden mit einer Prüfschablone abgeglichen; daneben liegt ein gepflegtes Referenz-Dossier.
Illustration 2 – Fakten prüfen und pflegen

Wie wir auf Grounding Pages schauen

Wir verstehen eine Grounding Page nicht als neuen technischen Standard und auch nicht als Gegenmodell zur klassischen Über-uns-Seite. Sinnvoll ist sie dann, wenn ein Unternehmen bisher keine zentrale, faktenbasierte und gut verlinkte Profilseite besitzt.

Die eigentliche Arbeit liegt in der Klärung: Welche Entität beschreiben wir? Welche Angaben sind belastbar? Welche Quellen bestätigen sie? Wo widersprechen sich bestehende Inhalte? Und wer hält die Informationen aktuell?

Erst danach kommen HTML, strukturierte Daten und Crawler-Konfiguration. Technik kann gute Informationen leichter zugänglich machen. Sie kann fehlende Fakten nicht ersetzen.

Fazit

Eine Grounding Page kann einer KI sagen, wer ein Unternehmen ist. Sie kann sie nicht dazu bringen, darüber zu sprechen.

Ihr Wert liegt in einer klaren Rolle: Sie ist der offizielle Faktenanker. Sichtbarkeit entsteht jedoch aus einem größeren Zusammenspiel – aus Erreichbarkeit, verständlichen Inhalten, konsistenten Angaben, externem Kontext und laufender Pflege.

Wer dafür eine eigene Seite braucht, sollte sie bauen. Wer bereits eine gute Profilseite besitzt, braucht vermutlich keine zweite Seite mit einem neuen Etikett.

Der Name ist neu. Die Aufgabe dahinter ist es nicht: Fakten so zu organisieren, dass Menschen und Maschinen ihnen folgen können.

Quellen und Einordnung